Es gibt mehrere nebeneinander bestehende Prozesse der Kunst, die ihre Märkte/Präsentationsräume belegen. Die Aussagen erfolgen aus der Betrachter-Sichtweise, die nicht zu verwechseln ist mit der internen Sicht der Künstler selbst.

 

Der Markt der Retrospektiven

– Klassische Moderne und bekannte und berühmte Nachfolger bis heute = Fastfood Kunst! Ein Kriterium hierbei ist der Bekanntheitsgrad der Werke oder Künstler. Es zieht Leute in die Ausstellungshallen. Inhalte sind zweitrangig für den Besucherstrom. Der Event zählt, dabei sein ist alles.

 

Der elitäre Markt der Luxusgüter

– Alles was sich als "besonders" erweist durch Einmaligkeit, Geschichte, Bekanntheit, Ruhm etc. (der Markt des inneren Geldbeschaffungszirkels – siehe Diskussionen um die Tate Modern in London und namenhafte Auktionshäuser).

 

Der Markt der Kunst im öffentlichen Raum

– Werke, die ausschließlich für ein Museum oder ähnliche Einrichtungen gemacht werden. Kriterium: Relativer Bekanntheitsgrad des Künstlers und Imagefaktor für die Institution/Einrichtung etc. Die künstlerische Botschaft ist zwar enthalten, aber kein primäres Kriterium aus Sicht der Sponsoren/Geldgeber.

 

Der Markt der Avantgarde

   momentan ohne klar erkennbare Richtung und Zielsetzung – alles was irgendwie noch verrückter ist als das, was man sowieso schon als verrückt beschreibt. Auf der Entwicklungsschiene „Reduktion“ ist der Endpunkt erreicht. Weniger als Nichts geht nicht in unserer heutigen Möglichkeit der Vorstellung. Richtungswechsel sind dort aber in der Erprobung und bringen allerlei Spannendes sowie Kurioses in der Kunst zutage. Für den Betrachter häufig ein Dilemma, da ohne fachspezifische Kenntnis und Detailwissen nicht viel mehr als "nur verrückt" vermittelt wird.

Kunst als Kommunikationsmittel – das findet sich heute im Kunstkanon des interdisziplinären Diskurses. Kunst versucht zu vermitteln im Sinne des Verdeutlichen mit ihren Anteilen der Narration. (z.B. Keith Haring)

 

Der Markt der Künstler ohne theoretischen Hintergrund

– Lebensexistenz von Boesner, Gerstaecker und anderen Kunstbedarfvertrieben. Also, vom Hobbymaler bis zum fachlich versierten Dilettanten ist alles vertreten und findet auch den Weg in den Markt.

 

 

Womit wir wieder bei Beuys wären, wenn er sagt: „Jeder ist ein Künstler“. Damit meint er: Nicht, dass jeder ein prima Maler wäre etc. Er kann nur gemeint haben, dass jeder ein Künstler sein muss, um Kunst als Botschaft an sich selbst zu verstehen. Es ist der Prozess der Kunst, in dem der Kunstschaffende den Betrachter mit einbezieht und damit ihn also benötigt. Ohne den Betrachter wäre Kunst sinnlos...

Meinen Job als Kunstwissenschaftlerin verstehe ich auf drei Gebieten:

 

1. Ich bin der Betrachter, der anderen Betrachtern auf den Weg hilft, Kunst als Botschaft an sie zu erfassen.

 

2. Ich vermittle Künstlern (Coaching) Koordinationsformen innerhalb des Diskurses, den sie wählen.

 

3. Ich versuche mich im riesigen Feld der 'Genialen Dilettanten' als Vermittlerin. Entweder, um die theoretischen Zusammenhänge und Erkenntnisse gemeinsam zu erarbeiten (Coaching) oder die Technik der Malerei etc. zu schulen. Oder,- um annehmbare Dekorative zu erreichen und auch deutlich zu machen, dass Malen können nicht zwangsläufig Kunst sein muss.

 

Um es noch einmal zu verdeutlichen: ich bin ein Betrachter, kein Künstler! Ich bin Kunstwissenschaftlerin und keine Kunsthistorikerin. Das heißt, mein Feld ist die Gegenwart und nicht die Vergangenheit im Hinblick auf das Ziel meiner Arbeit. Alle bislang von mir durchgeführten Experimente haben meine Auffassung bestätigt. Dazu gehörten Coaching als Arbeitsform, die Ausstellungsdidaktik (Präsentation) und alle rudimentären Ausflüge in die Vermittlung von Gestaltung. Mein Interesse basiert also auf Vermittlung.

 

   Gabriele Schenk 2006 Überarbeitung 2011